Wärmepumpe zu teuer? Warum diese Heizlösung jetzt für viele zur Alternative wird

Wärmepumpe zu teuer? Warum diese Heizlösung jetzt für viele zur Alternative wird

Die Diskussion um zukunftsfähige Heiztechnologien in Deutschland ist in vollem Gang. Während politische Vorgaben und Förderprogramme lange Zeit die Wärmepumpe in den Mittelpunkt rückten, wächst das Interesse an einem System, das nahezu in Vergessenheit geraten war: der Infrarotheizung. Doch was macht diese Technologie für Eigenheimbesitzer und Vermieter plötzlich wieder attraktiv?

Der Hauptgrund liegt in der finanziellen Belastung und dem bautechnischen Aufwand klassischer Wärmepumpensysteme. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe kostet inklusive Installation häufig zwischen 20.000 und 35.000 Euro, bei Erdwärme- oder Grundwassersystemen können die Kosten noch deutlich höher ausfallen. Hinzu kommen mögliche Anpassungen am Heizsystem, etwa der Einbau flächendeckender Niedertemperaturheizkörper oder eine Fußbodenheizung.

Das Funktionsprinzip elektrischer Strahlungswärme

Elektrische Infrarotheizungen arbeiten nach einem physikalischen Prinzip, das sich grundlegend von Konvektionsheizkörpern unterscheidet. Statt die Raumluft zu erhitzen, emittiert das Heizelement elektromagnetische Strahlung im Infrarotbereich. Diese Wellen durchdringen die Luft nahezu verlustfrei und werden erst beim Auftreffen auf feste Körper – Wände, Möbel, Menschen – in Wärme umgewandelt.

Der Effekt ähnelt dem Wärmeempfinden an einem sonnigen Frühlingstag: Die Lufttemperatur mag kühl sein, dennoch fühlt sich die direkte Strahlung angenehm warm an. In Innenräumen führt dies zu einem gleichmäßigen Temperaturprofil ohne nennenswerte Temperaturschichtung zwischen Boden und Decke. Gleichzeitig wird die Bausubstanz erwärmt, was zu einer natürlichen Pufferung beiträgt.

Montage ohne Fachbetrieb und Leitungssystem

Ein zentraler Vorteil dieser Heiztechnologie liegt in der einfachen Implementierung. Die Geräte werden als Wandpaneele, Deckenelemente oder sogar als beheizte Spiegel angeboten und benötigen lediglich einen 230-Volt-Stromanschluss. Ein hydraulisches Verteilsystem entfällt komplett.

  • Keine Kernbohrungen oder Rohrleitungsverlegung erforderlich
  • Installation oft innerhalb weniger Stunden möglich
  • Flexibel nachrüstbar in einzelnen Räumen
  • Keine jährliche Wartung durch Fachpersonal nötig

Besonders in Altbauten, wo der nachträgliche Einbau einer Flächenheizung mit erheblichen baulichen Eingriffen verbunden wäre, bietet diese Lösung einen pragmatischen Kompromiss. Auch in denkmalgeschützten Objekten, bei denen Außeneinheiten oder Erdarbeiten problematisch sind, wird die Technologie zunehmend genutzt.

Energieeffizienz und Betriebskosten im Vergleich

Kritiker weisen zu Recht darauf hin, dass elektrische Direktheizungen einen ungünstigen Primärenergiefaktor aufweisen, wenn der Strom aus dem allgemeinen Netz bezogen wird. Eine Kilowattstunde elektrische Energie entspricht nahezu eins zu eins der abgegebenen Wärmemenge – während eine Wärmepumpe durch die Nutzung von Umweltwärme typischerweise eine Jahresarbeitszahl zwischen 3,0 und 4,5 erreicht.

Bei Kombination mit einer Photovoltaikanlage und einem Batteriespeicher kann der Eigenverbrauchsanteil auf über 60 Prozent steigen, wodurch sich die Betriebskosten deutlich reduzieren.

Entscheidend für die Wirtschaftlichkeit ist der konkrete Anwendungsfall. In Gebäuden mit exzellenter Dämmung (KfW-40-Standard oder besser), wo der jährliche Heizwärmebedarf unter 40 Kilowattstunden pro Quadratmeter liegt, können Infrarotheizungen mit Eigenstrom konkurrenzfähig werden. Auch für selten genutzte Räume – Gästezimmer, Werkstätten, Ferienhäuser – oder als Übergangsheizung ist die Technologie interessant.

Bauphysikalische Aspekte und Schimmelprävention

Ein häufig übersehener Vorteil liegt in der Wirkung auf die Bausubstanz. Da die Strahlung direkt die Wandoberflächen erwärmt, bleibt deren Temperatur höher als die Raumlufttemperatur. Dies verschiebt den Taupunkt nach außen und verringert das Risiko von Kondensation an kalten Flächen – einer Hauptursache für Schimmelbildung.

Gleichzeitig wird die Luftfeuchtigkeit nicht künstlich durch permanente Konvektion verwirbelt. Studien zeigen, dass die relative Luftfeuchte in infrarotbeheizten Räumen bei gleicher absoluter Feuchte niedriger liegt, was das Wachstum von Schimmelpilzen zusätzlich hemmt. Für Allergiker und Asthmatiker kann dies einen messbaren Komfort-Vorteil bedeuten.

Rechtliche Rahmenbedingungen und regionale Verbote

Nicht überall in Deutschland ist der Einbau neuer elektrischer Direktheizungen uneingeschränkt möglich. Hamburg hat als erstes Bundesland ein Verbot ab Januar 2026 in sein Klimaschutzgesetz aufgenommen. Ausnahmen sind nur in begründeten Einzelfällen vorgesehen, etwa wenn keine technische Alternative existiert oder unverhältnismäßige Kosten entstehen würden.

BundeslandRegelungGültigkeit
HamburgEinbauverbot für neue Elektroheizungenab 01.01.2026
BerlinKeine spezifische Regelung (Bundesgesetz gilt)aktuell
BayernKeine spezifische Regelung (Bundesgesetz gilt)aktuell

Auf Bundesebene schreibt das Gebäudeenergiegesetz (GEG) ab 2024 vor, dass neue Heizungen zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden müssen. Infrarotheizungen können diese Vorgabe erfüllen, wenn der Strom nachweislich aus regenerativen Quellen stammt – etwa durch eine PV-Anlage mit entsprechender Dimensionierung oder durch einen zertifizierten Ökostromtarif.

Für welche Gebäude eignet sich die Technologie?

Die Eignung hängt stark von den baulichen Gegebenheiten ab. Optimal ist die Infrarotheizung in folgenden Szenarien:

  1. Neubauten mit sehr geringem Wärmebedarf und eigener Stromerzeugung
  2. Einzelne Räume in bestehenden Gebäuden als Ergänzung
  3. Objekte mit Denkmalschutz, wo konventionelle Systeme nicht genehmigt werden
  4. Ferienwohnungen oder saisonal genutzte Immobilien
  5. Gewerbliche Räume mit punktuellem Wärmebedarf

In unsanierten Altbauten mit hohem Energieverbrauch ist die Technologie hingegen selten wirtschaftlich. Hier sollte zunächst die Gebäudehülle verbessert werden, bevor über das Heizsystem entschieden wird. Auch in großflächigen Wohnungen mit dauerhaft beheizten Räumen bleibt die klassische Wärmepumpe meist die effizientere Wahl.

Diese Informationen ersetzen keine professionelle energetische Beratung. Vor einer Investitionsentscheidung sollte stets ein qualifizierter Energieberater die individuelle Situation analysieren.

Häufig gestellte Fragen

Wie hoch sind die Stromkosten einer Infrarotheizung im Jahr?

Die jährlichen Kosten hängen stark vom Gebäudestandard, der Nutzungsdauer und dem Strompreis ab. In einem gut gedämmten Einfamilienhaus (120 m²) mit KfW-55-Standard können bei reinem Netzbezug etwa 1.800 bis 2.500 Euro anfallen. Mit einer PV-Anlage und hohem Eigenverbrauch lassen sich die Kosten auf 800 bis 1.200 Euro senken.

Kann ich eine Infrarotheizung nachträglich in jedem Raum installieren?

Grundsätzlich ja, sofern ein 230-Volt-Stromanschluss vorhanden ist. Allerdings sollte die elektrische Hausinstallation ausreichend dimensioniert sein. In Altbauten mit veralteter Elektrik kann eine Prüfung durch einen Elektriker notwendig sein. Zudem ist die Eignung abhängig von der Raumdämmung und der gewünschten Heizleistung.

Welche Leistung pro Quadratmeter wird benötigt?

Als Richtwert gelten bei gut gedämmten Gebäuden 60 bis 80 Watt pro Quadratmeter, bei mittlerer Dämmung 80 bis 100 Watt und bei unsanierten Altbauten 100 bis 150 Watt. Diese Werte sind Orientierungshilfen – eine genaue Berechnung sollte die Raumhöhe, Fensterflächen und Außenwandanteile berücksichtigen.

Darf ich in Hamburg ab 2026 überhaupt keine Infrarotheizung mehr einbauen?

Das Hamburger Klimaschutzgesetz verbietet ab 1. Januar 2026 den Neueinbau und den Ersatz durch Elektrodirekt­heizungen. Ausnahmen sind möglich, wenn nachgewiesen wird, dass keine technisch machbare oder wirtschaftlich zumutbare Alternative existiert. Bestandsheizungen dürfen weiter betrieben werden.

Ist eine Infrarotheizung mit Photovoltaik klimaneutral?

Nahezu, aber nicht vollständig. Die Herstellung der PV-Module und der Heizpaneele verursacht CO₂-Emissionen. Im Betrieb entstehen keine direkten Emissionen, wenn der Strom aus der eigenen Anlage stammt. Bei Netzbezug in den Wintermonaten hängt die Klimabilanz vom Strommix ab. Insgesamt ist die Kombination deutlich klimafreundlicher als fossile Heizungen.

Paul Sommer

Geschrieben von Redakteur Wissenschaft & Natur

Paul Sommer

Seit 2020 verantwortet Paul bei Getraenkemarkt Flaschenkind die Themenfelder Wissenschaft, Natur und Umwelt. Klarer, fakten­basierter Schreibstil.

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