In der Hitze und darüber hinaus: Wie Menschen Bienen helfen können

In der Hitze und darüber hinaus: Wie Menschen Bienen helfen können

Bienen gehören zu den fleißigsten Arbeitern unserer Umwelt. Ohne ihre unermüdliche Bestäubungsleistung würden viele Obst- und Gemüsesorten, von Äpfeln über Kirschen bis zu Zucchini, erheblich seltener auf unseren Tellern landen. Während Honigbienen von Imkern betreut werden, leben die rund 350 Wildbienenarten in Deutschland völlig eigenständig. Beide Gruppen stehen jedoch vor erheblichen Herausforderungen: Lebensraumverlust, Pestizideinsatz und monotone Agrarlandschaften machen ihnen das Überleben schwer. Gerade in heißen Sommermonaten sind die Insekten zusätzlich auf menschliche Unterstützung angewiesen.

Die gute Nachricht: Jeder kann mit einfachen Mitteln aktiv werden und Bienen helfen – sei es im eigenen Garten, auf dem Balkon oder durch bewusste Kaufentscheidungen. Dieser Artikel zeigt praxisnah, welche Maßnahmen wirklich Wirkung zeigen und wie sich Lebensräume für diese unverzichtbaren Bestäuber schaffen lassen.

Warum Bienen unverzichtbar für unser Ökosystem sind

Bienen leisten weitaus mehr als die Produktion von Honig. Sie übernehmen die Bestäubung von etwa 80 Prozent der heimischen Blütenpflanzen und sichern damit die Grundlage für biologische Vielfalt. Ohne ihre Arbeit würden zahlreiche Wildpflanzen verschwinden, was wiederum Konsequenzen für andere Tierarten hätte, die auf diese Pflanzen als Nahrungsquelle angewiesen sind.

Während Honigbienen in Völkern organisiert sind und von Imkern betreut werden, leben Wildbienen meist solitär. Viele Wildbienenarten sind hochspezialisiert und auf bestimmte Blütenpflanzen angewiesen. Fehlen diese Pflanzen, können ganze Populationen verschwinden. Schätzungen zufolge gilt bereits mehr als die Hälfte der heimischen Wildbienenarten als gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Die Ursachen sind vielfältig: intensive Landwirtschaft, der Einsatz von Pestiziden, versiegelte Flächen in Städten und der Klimawandel verstärken den Druck auf die sensiblen Insekten.

Die richtige Pflanzenauswahl für Bienen

Wer Bienen unterstützen möchte, sollte bei der Bepflanzung von Garten oder Balkon auf die richtigen Arten achten. Nicht jede blühende Pflanze ist für Bienen gleichermaßen wertvoll. Viele Zierpflanzen aus Gartencentern sind zwar optisch ansprechend, bieten den Insekten jedoch kaum Nahrung. Gefüllte Blüten beispielsweise sehen zwar üppig aus, sind für Bienen aber unzugänglich, da die Staubblätter zu Blütenblättern umgezüchtet wurden.

Besonders wertvoll sind heimische Wildpflanzen, die an die Bedürfnisse einheimischer Bienenarten angepasst sind. Dazu zählen:

  • Korbblütler wie Margeriten, Löwenzahn und Kornblumen
  • Lippenblütler wie Salbei, Thymian, Lavendel und Minze
  • Schmetterlingsblütler wie Klee und Wicken
  • Wildobst wie Schlehe, Weißdorn und Holunder

Auch Kräuter aus dem Supermarkt können einen Beitrag leisten, wenn sie auf Balkon oder Fensterbank blühen dürfen. Wichtig ist, dass die Pflanzen ungespritzt sind und eine durchgängige Blütezeit von Frühjahr bis Herbst gewährleistet ist. Ein vielfältiger Mix aus verschiedenen Blühzeitpunkten sichert den Bienen über die gesamte Saison hinweg Nahrung.

Nisthilfen und Lebensräume schaffen

Neben Nahrung benötigen Bienen geeignete Nistmöglichkeiten. Während Honigbienen in Bienenstöcken leben, sind Wildbienen auf natürliche oder künstliche Strukturen angewiesen. Etwa 75 Prozent der Wildbienenarten nisten im Boden, weitere nutzen hohle Pflanzenstängel, Totholz oder vorhandene Hohlräume in Mauern.

Im Garten lassen sich gezielt Lebensräume schaffen:

  • Offene Bodenstellen ohne Mulch oder Bodenbedeckung für bodennistende Arten
  • Totholzhaufen und morsche Baumstämme als Nistplatz
  • Trockenmauern mit Fugen und Hohlräumen
  • Markhaltige Stängel von Brombeere, Holunder oder Schilf, die stehen bleiben dürfen
  • Professionell gefertigte Insektenhotels mit Bohrlöchern in Hartholz oder gebranntem Ton

Beim Kauf oder Bau eines Insektenhotels ist auf Qualität zu achten. Billige Modelle mit ausgefransten Bohrlöchern oder ungeeigneten Materialien können mehr schaden als nutzen, da sie die empfindlichen Flügel der Bienen verletzen. Bohrlöcher sollten glatt und sauber sein, mit einem Durchmesser von zwei bis neun Millimetern.

Wasser und Schutz an heißen Tagen

Gerade in heißen Sommermonaten leiden Bienen unter Wassermangel. Eine flache Schale mit Wasser, in die Steine oder Korken als Landeplätze gelegt werden, kann lebensrettend sein. Bienen nutzen das Wasser nicht nur zum Trinken, sondern auch zur Kühlung ihres Stocks. Die Wasserstelle sollte im Schatten stehen und regelmäßig gereinigt werden, um die Verbreitung von Krankheiten zu vermeiden.

Während heißer Perioden steigt der Wasserbedarf von Bienenvölkern deutlich an – eine gut platzierte Tränke kann den Unterschied zwischen Überleben und Kollaps eines Volkes ausmachen.

Zusätzlich hilft es, schattige Bereiche im Garten zu erhalten oder zu schaffen. Bäume und Sträucher bieten nicht nur Nahrung, sondern auch Schutz vor extremer Hitze. Auch eine naturnahe Gestaltung mit verschiedenen Vegetationshöhen schafft Mikroklima-Zonen, in denen sich Bienen zurückziehen können.

Verzicht auf Pestizide und chemische Dünger

Der Einsatz von Pestiziden stellt eine der größten Bedrohungen für Bienen dar. Insektizide, insbesondere Neonicotinoide, schädigen das Nervensystem der Bienen und beeinträchtigen ihre Orientierungsfähigkeit. Auch Herbizide reduzieren die Pflanzenvielfalt und damit das Nahrungsangebot.

Im eigenen Garten lässt sich auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten. Natürliche Alternativen wie Nützlinge, Mischkulturen und mechanische Unkrautbekämpfung sind nicht nur bienenfreundlich, sondern fördern auch ein gesundes Ökosystem. Wer auf einen gepflegten Rasen nicht verzichten möchte, kann zumindest Teilflächen seltener mähen und Wildblumen wachsen lassen. Solche Blühinseln sind wahre Oasen für Bienen und andere Bestäuber.

Städtische Initiativen und gemeinschaftliches Engagement

Auch in Städten gibt es zunehmend Projekte, die Lebensräume für Bienen schaffen. Gemeinschaftsgärten, begrünte Dächer und Verkehrsinseln mit Wildblumen tragen zur Verbesserung der urbanen Biodiversität bei. Viele Kommunen fördern inzwischen bienenfreundliche Bepflanzungen auf öffentlichen Flächen.

Wer sich aktiv einbringen möchte, kann sich lokalen Imkervereinen oder Naturschutzgruppen anschließen. Diese Organisationen bieten oft Beratung, Schulungen und gemeinsame Pflanzaktionen an. Auch Patenschaften für Bienenvölker oder die Unterstützung von Wildbienenprojekten sind Möglichkeiten, einen Beitrag zu leisten.

MaßnahmeAufwandWirkung
Heimische Wildblumen pflanzenGeringHoch
Insektenhotel aufstellenMittelMittel bis hoch
Offene Bodenstellen belassenSehr geringHoch (für bodennistende Arten)
Wassertränke bereitstellenSehr geringMittel
PestizidverzichtGeringSehr hoch

Letztlich ist der Schutz der Bienen eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die sowohl individuelles Handeln als auch politische Weichenstellungen erfordert. Doch jeder Schritt zählt – sei es die bienenfreundliche Bepflanzung eines Balkons, der Verzicht auf Pestizide oder die Teilnahme an lokalen Naturschutzprojekten. Die Summe vieler kleiner Maßnahmen kann einen spürbaren Unterschied für die Zukunft der Bienen machen.

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und ersetzt keine fachliche Beratung durch Imker, Biologen oder Naturschutzorganisationen.

Häufig gestellte Fragen

Welche Pflanzen sind für Wildbienen besonders wertvoll?

Heimische Wildpflanzen wie Margeriten, Löwenzahn, Salbei, Thymian und Lavendel sind besonders wertvoll. Wichtig ist, dass die Blüten ungefüllt sind und über das ganze Jahr verteilt blühen, um durchgängig Nahrung zu bieten.

Wie kann ich Bienen an heißen Tagen unterstützen?

Stellen Sie eine flache Wasserschale mit Steinen oder Korken als Landeplätze bereit. Die Tränke sollte im Schatten stehen und regelmäßig gereinigt werden. Bienen nutzen Wasser zum Trinken und zur Kühlung ihres Stocks.

Sind gekaufte Insektenhotels für Wildbienen geeignet?

Qualität ist entscheidend. Achten Sie auf glatte, saubere Bohrlöcher mit zwei bis neun Millimetern Durchmesser in Hartholz oder gebranntem Ton. Billige Modelle mit ausgefransten Löchern können die Flügel der Bienen verletzen.

Warum sind gefüllte Blüten für Bienen ungeeignet?

Bei gefüllten Blüten wurden die Staubblätter zu zusätzlichen Blütenblättern umgezüchtet. Dadurch können Bienen nicht an Pollen und Nektar gelangen, obwohl die Pflanzen optisch attraktiv wirken.

Welche Alternativen gibt es zu Pestiziden im Garten?

Setzen Sie auf Nützlinge wie Marienkäfer gegen Blattläuse, Mischkulturen zur Vorbeugung von Schädlingen und mechanische Unkrautbekämpfung. Auch das Belassen von Wildkräutern in Teilbereichen fördert ein natürliches Gleichgewicht.

Paul Sommer

Geschrieben von Redakteur Wissenschaft & Natur

Paul Sommer

Paul studierte Biologie mit Schwerpunkt Ökologie an einer norddeutschen Universität und arbeitete mehrere Jahre in der Wissenschaftskommunikation für Umweltverbände. Er kam 2017 zur Redaktion von Getraenkemarkt Flaschenkind. Seine Texte behandeln Artenschutz im urbanen Raum, Klimaanpassung und die Wechselwirkungen zwischen Tier- und Pflanzenwelt.

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