Die sommerlichen Temperaturen steigen, und während wir Menschen uns mit kühlen Getränken und Schatten erfrischen können, kämpfen heimische Wildtiere oft ums Überleben. Trockene Landschaften, fehlende Wasserquellen und überhitzte Rückzugsorte setzen Vögel, Igel, Eichhörnchen und Insekten erheblich unter Druck. Doch mit wenigen gezielten Maßnahmen kann jeder Gartenbesitzer oder Balkonnutzer aktiv dazu beitragen, die Überlebenschancen dieser Tiere deutlich zu verbessern.
Wasserstellen richtig anlegen und pflegen
Wenn die Temperaturen auf über 30 Grad steigen, wird Wasser zur wichtigsten Ressource für alle Lebewesen. Viele natürliche Wasserstellen wie kleine Bäche oder Pfützen trocknen im Hochsommer vollständig aus. Eine selbst angelegte Tränke kann hier lebensrettend wirken. Dabei kommt es auf die richtige Gestaltung an: Flache Schalen mit einem Durchmesser von mindestens 25 Zentimetern und einer Tiefe von etwa fünf Zentimetern eignen sich besonders gut.
Ein entscheidender Aspekt ist die Sicherheit der Tiere. Steine, Zweige oder Kork im Wasser bieten Insekten und Jungvögeln die Möglichkeit, sich festzuhalten und nicht zu ertrinken. Bodenbewohner wie Igel oder Eidechsen benötigen hingegen direkten Zugang ohne Hindernisse – hier empfiehlt sich eine separate, ebenerdig platzierte Schale. Die tägliche Reinigung und Neubefüllung ist zwingend erforderlich, um die Bildung von Krankheitskeimen zu verhindern, die sich bei Wärme rasant vermehren.
Schattige Rückzugsräume schaffen
Wildtiere suchen bei Hitze instinktiv kühle Orte auf, um ihre Körpertemperatur zu regulieren. Ein strukturreicher Garten mit verschiedenen Vegetationshöhen bietet dafür optimale Bedingungen. Ungemähte Ecken, dichte Strauchgruppen und bewusst belassene Laubhaufen dienen als natürliche Klimazonen, in denen die Temperatur deutlich niedriger liegt als auf offenen Rasenflächen.
- Totholzhecken bieten Unterschlupf und fördern gleichzeitig Insekten als Nahrungsquelle
- Wildkräuterecken mit Schafgarbe, Natternkopf oder Disteln bleiben kühl und attraktiv für Bestäuber
- Bodendecker wie Efeu oder Waldmeister halten Feuchtigkeit im Boden und schaffen Mikroklimata
- Komposthaufen entwickeln durch Zersetzungsprozesse gemäßigte Wärme – ideal für Reptilien
Besonders wichtig: Rasenflächen sollten während Hitzeperioden nicht kürzer als fünf Zentimeter gemäht werden. Längere Halme werfen Schatten auf den Boden und bewahren Feuchtigkeit, was kleinen Säugetieren und Bodeninsekten zugutekommt.
Nahrungsangebot in der Hitzeperiode
Während extreme Trockenheit herrscht, verändert sich das natürliche Nahrungsangebot drastisch. Insektenpopulationen brechen ein, Samenstände vertrocknen vorzeitig, und Beeren reifen zu schnell oder verdorren. Viele Vogelarten, die ihre Jungen aufziehen, finden nicht genügend proteinreiche Nahrung. Hier kann eine gezielte Zufütterung sinnvoll sein – allerdings mit den richtigen Mitteln.
Frische oder getrocknete Mehlwürmer sowie fettarme Insektenmischungen unterstützen Singvögel während der Aufzuchtphase, ohne die natürliche Nahrungssuche vollständig zu ersetzen.
Für pflanzenfressende Arten wie Eichhörnchen können in trockenen Sommern zusätzlich Haselnüsse oder Walnüsse bereitgestellt werden. Wichtig ist dabei die Positionierung: Futterstellen sollten im Schatten liegen und vor Räubern wie Katzen geschützt sein. Niemals sollten gesalzene, gewürzte oder verschimmelte Lebensmittel angeboten werden – sie können für Wildtiere tödlich sein.
Gefahrenquellen im Garten beseitigen
Gerade im Sommer lauern in vielen Gärten versteckte Fallen für durstige oder erschöpfte Tiere. Offene Regentonnen werden zur tödlichen Falle, wenn Vögel oder Säugetiere beim Trinken hineinfallen und nicht mehr herausklettern können. Ein einfaches Gitter oder eine Abdeckung mit Zugangsöffnung verhindert solche Unfälle.
Auch Gartenteiche benötigen Ausstiegshilfen: Flache Uferzonen, Steine als Tritthilfen oder spezielle Tierrettungsrampen ermöglichen selbst geschwächten Tieren die Flucht aus dem Wasser. Swimmingpools sollten während längerer Abwesenheit mit einer festen Plane verschlossen werden. Schon ein einziger ungesicherter Pool kann pro Sommer Dutzende Wildtiere das Leben kosten.
Beim Einsatz von Mährobotern ist besondere Vorsicht geboten: Diese Geräte sollten niemals in der Dämmerung oder nachts laufen, da sie Igel, Kröten und andere nachtaktive Arten schwer verletzen können. Manuelle Kontrollen vor dem Mähen schützen versteckte Jungtiere.
Rechtliche Schutzfristen beachten
Der Gesetzgeber hat zum Schutz brütender und säugender Wildtiere klare Regelungen geschaffen. Zwischen dem 1. März und dem 30. September ist das radikale Zurückschneiden von Hecken, Gebüschen und Bäumen nach dem Bundesnaturschutzgesetz verboten. Erlaubt sind lediglich schonende Pflegeschnitte, die das Brutgeschehen nicht stören.
Auch beim Mähen von Wiesen gilt: Wer größere Flächen bewirtschaftet, sollte stets von innen nach außen mähen, damit Tiere die Möglichkeit haben, in angrenzende Bereiche zu flüchten. Beim Einsatz von Balkenmähern ist die Schnitthöhe auf mindestens zehn Zentimeter einzustellen, um Bodenbrüter und ihre Gelege zu schonen.
Besondere Unterstützung für gefährdete Arten
Einige heimische Wildtiere sind durch Klimaveränderungen und Lebensraumverlust besonders stark bedroht. Igel etwa leiden unter der zunehmenden Versiegelung von Flächen und dem Rückgang von Insekten. Ein igelfreundlicher Garten zeichnet sich durch durchlässige Zäune (mindestens zehn Zentimeter Bodenfreiheit), Laubhaufen als Verstecke und den Verzicht auf Pestizide aus.
| Tiergruppe | Kritische Temperatur | Wichtigste Hilfsmaßnahme |
|---|---|---|
| Singvögel | Ab 28 °C | Mehrere Wasserstellen mit Landemöglichkeiten |
| Igel | Ab 25 °C nachts | Schattige Tagesruheplätze, Wasserzugang |
| Insekten | Über 35 °C | Blühpflanzen, feuchte Bodenstellen |
| Eichhörnchen | Ab 30 °C | Kletterhilfen an Wasserstellen, Nüsse |
Für Wildbienen und Schmetterlinge sind kontinuierlich blühende Pflanzen überlebenswichtig. Lavendel, Oregano, Thymian und Katzenminze bieten auch bei Hitze Nektar und bleiben vital. Ein kleiner, besonnter Sandhaufen dient bodennistenden Wildbienenarten als Nistplatz und wird bei moderater Feuchtigkeit gerne angenommen.
Wann professionelle Hilfe nötig ist
Nicht jedes Wildtier, das im Sommer apathisch wirkt, benötigt menschliche Intervention. Viele Arten reduzieren bei Hitze ihre Aktivität und ruhen an geschützten Orten. Ein junger Vogel, der außerhalb des Nests sitzt, wird meist noch von den Eltern versorgt. Eingreifen sollte man nur, wenn ein Tier sichtbar verletzt ist, von Parasiten befallen wird oder sich in unmittelbarer Gefahr befindet.
Bei Unsicherheit helfen Wildtierauffangstationen oder spezialisierte Tierschutzvereine mit fachkundiger Beratung. Die Mitnahme eines Wildtieres ist nur in absoluten Notfällen erlaubt und sollte stets mit Experten abgestimmt werden. Viele vermeintlich hilflose Jungigel oder Vogelküken sind tatsächlich gut versorgt und werden durch gut gemeinte Rettungsaktionen von ihren Eltern getrennt.
Diese Informationen basieren auf allgemeinen Empfehlungen zum Wildtierschutz und ersetzen keine professionelle Beratung durch Naturschutzverbände oder Tierärzte mit Spezialisierung auf Wildtiere.
